Christian Brunner: „Hunger auf Erfolg ist unser Antrieb!“
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- 21. Nov.
- 5 Min. Lesezeit
Teamgeist, Automatisierung und Digitalisierung lassen Berndorf Bäderbau zum 65. Geburtstag auf Erfolgswelle schwimmen

Mit Fokus auf das profitable Kerngeschäft, Minimierung der Reklamationskosten sowie Optimierung von Prozessen und Team gelang dem 2019 als CEO gestarteten Christian Brunner ein Turnaround bei Berndorf Bäderbau. Zum Firmen-Geburtstag spricht er über die Spur zum Erfolg. Lesen Sie im Berndorf-„Menschen am Werk“-Blog das Interview in voller Länge.
Die Jahre, in denen Berndorf Bäderbau auf die Erfolgsstraße zurückgekehrt ist, decken sich mit jenen, in denen Sie als CEO an der Spitze stehen. Gibt es diesen einen Schlüssel zum Erfolg, den Sie gefunden haben? Beziehungsweise welche waren die wichtigsten Schrauben, an denen Sie gedreht haben?
Schlüssel gibt es keinen außer vielleicht harte und konsequente Arbeit, klare strategische Ausrichtung und Fokus aufs Kerngeschäft. Vielleicht gleich zum letzten Punkt: Wir haben uns sehr klar auf den kommunalen Bereich konzentriert – das war und ist unser wirtschaftlich stärkstes und stabilstes Standbein. Statt uns zu verzetteln, haben wir unsere Ressourcen gezielt auf diesen Bereich gelenkt und dort unsere Marktposition gestärkt.
Sehr wichtig war auch, dass eine Minimierung der Reklamationskosten beziehungsweise der Kosten allgemein gelungen ist. Qualität ist bei uns kein Schlagwort, sondern messbar. Wir haben systematisch daran gearbeitet, Reklamationen zu vermeiden – durch bessere Planung, klar definierte Prozesse und konsequente Nachverfolgung. Das hat nicht nur Kosten reduziert, sondern auch das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden weiter gestärkt.
Und schließlich haben wir die Prozesse optimiert, unsere internen Abläufe umfassend überarbeitet und aufeinander abgestimmt. Ich konnte auf ein starkes, engagiertes Team bauen – ohne die richtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre dieser Weg nicht möglich gewesen. Und ja, eine gute Auftragslage hat uns natürlich Rückenwind gegeben, aber entscheidend war, dass wir auch damit gut umzugehen wussten.
Bei Ihrem Start in Berndorf – vor sechs Jahren – haben Sie gesagt, dass es für Sie bei Jobantritt große Anziehungskraft ausgeübt hat, erstmals für die Produktion in einem Betrieb verantwortlich zu sein. Ist das der Bereich, in dem Berndorf Bäderbau heute seine „Matches am Markt“ gewinnt?
Ja, absolut – die Produktion ist heute ein entscheidender Bereich, in dem wir unsere „Matches am Markt“ gewinnen. Aber das war kein Selbstläufer. Es hat einiges an Arbeit und Überzeugungsarbeit gebraucht, um schrittweise das Potenzial zu heben. Wir sind noch nicht am Ziel.
Ein wesentlicher Hebel dabei ist die konsequente Digitalisierung und Automatisierung unserer Produktionsprozesse. Ohne diese Maßnahmen wären wir heute nicht wettbewerbsfähig – und ganz ehrlich: Ohne diesen Schritt könnten wir den Standort in Berndorf auf Sicht nicht halten.
Gleichzeitig war und ist es mir persönlich ein Anliegen, ein klares Commitment zum Standort Berndorf abzugeben. Wir glauben an diesen Standort – aber um diese Überzeugung mit Leben zu füllen, sind auch gezielte Investitionen nötig: in moderne Maschinen, smarte Prozesse und in die Qualifikation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Sie haben für Berndorf Bäderbau immer große Möglichkeiten gesehen, weil viel Kreativität vorhanden ist. Sie haben aber dazu gesagt, dass „der Hunger zurückkehren müsse“, um die Chancen auch richtig zu nutzen. Dabei haben Sie Bäderbau Tschechien als Vorbild genannt. Zeigt die Erfolgsbilanz von heute also auch, dass das gegenseitige Lernen in der Bäderbau Gruppe gut funktioniert hat?
Ich sehe nach wie vor großes Potenzial – gerade, weil wir mit unserer Tochtergesellschaft in Tschechien einen starken Partner innerhalb der Gruppe haben. Der Vergleich damals war keineswegs als Kritik gedacht, sondern als Ansporn: Die Kolleginnen und Kollegen in Tschechien haben früh gezeigt, wie modern und kreativ Bäderbau funktionieren kann.
Heute kann ich sagen: Der „Hunger“ ist in Berndorf definitiv zurückgekehrt. Wir spüren wieder diesen Antrieb, Dinge besser, schneller und innovativer zu machen – und das ist essenziell für nachhaltigen Erfolg.
Ob wir dieses Potenzial langfristig ausschöpfen können, wird maßgeblich davon abhängen, wie gut wir in Zukunft zusammenarbeiten – über Standorte, Länder und Denkweisen hinweg. Das gegenseitige Lernen innerhalb der Bäderbau Gruppe ist kein einmaliger Impuls, sondern ein fortlaufender Prozess. Wenn uns das weiterhin gelingt, bin ich sehr zuversichtlich für die Zukunft.
Wie wichtig ist der Kundendienst beim Produkt „Berndorf Bad“, das ja den Ruf hat, nahezu wartungsfrei zu sein? Gehen Sie bei der Nachbetreuung Ihrer Kundinnen und Kunden im Bereich KOMMUNAL-Bäder anders vor als im Bereich HOTEL- beziehungsweise PRIVAT-Bäder?
Der Kundendienst gewinnt – interessanterweise – gerade bei einem Produkt wie dem „Edelstahlbecken“, das den Ruf hat, nahezu wartungsfrei zu sein, zunehmend an Bedeutung. Genau aus diesem Grund haben wir in den letzten Jahren intensiv getestet, ob dieses Geschäftsfeld für uns attraktiv ist. Die klare Antwort: ja – sogar sehr.
Wir sehen deutlich, dass viele Kunden – insbesondere im kommunalen Bereich – nicht mehr über das Personal verfügen, um laufende Wartung und Servicearbeiten intern abzudecken. Daraus ergibt sich für uns nicht nur Verantwortung, sondern auch eine große Chance.
Dabei ist aber auch klar: Nicht jede Form der Nachbetreuung ist für uns wirtschaftlich oder strategisch sinnvoll. Wir wollen uns daher in den kommenden Monaten neu aufstellen, unser Serviceangebot gezielt strukturieren und diesen Bereich nachhaltig und professionell bearbeiten.
Gerade im kommunalen Bereich ticken die Uhren anders als im Hotel- oder Privatsegment – wir passen unser Vorgehen deshalb differenziert an die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe an. Der Kundendienst bzw. After Sale wird ein zentraler Bestandteil unseres zukünftigen Geschäftsmodells sein.
Berndorf machte zuletzt mit spektakulären Einzelprojekten Schlagzeilen – wie beim realisierten Edelstahlbecken in der Battersea Power Station in London mit Ausblick auf historische Fabriksschlote. Wie profitieren Sie von solchen Landmarks im Alltagsgeschäft?
Solche Projekte sind echte Leuchttürme, die weit in den Markt strahlen. Ein Beispiel wie das Edelstahlbecken in der Battersea Power Station in London macht nicht nur architektonisch Eindruck, sondern zeigt auch ganz konkret, was Berndorf Bäderbau leisten kann – technisch, gestalterisch und in der Umsetzung komplexer Anforderungen.
Aber es mir wichtig zu betonen: Nicht nur die spektakulären Einzelprojekte sind unsere Visitenkarte. Jedes einzelne Bad, das wir realisieren – ob groß oder klein – steht für unseren Anspruch an Qualität, Präzision und Verlässlichkeit. Sie alle tragen dazu bei, dass es kein Zufall ist, dass wir Marktführer sind.
Solche Landmarks helfen natürlich, unsere Marke emotional aufzuladen und neue Kundengruppen anzusprechen, aber unser Fundament bleibt das solide kommunale Geschäft – und dort zeigt sich, wie stark unsere Leistung wirklich ist.
Wenn Sie heute – anlässlich des 65-Jahr-Jubiläums von Berndorf Bäderbau in die Zukunft schauen, würden Sie sagen, dass das Unternehmen jetzt vor einem Wachstumssprung stehen kann? Was wird das nächste große Ding von Berndorf Bäderbau? Was wird das Unternehmen stark machen?
Ja, ich sehe nach wie vor sehr viel Potenzial im Bäderbau – gerade auch mit Blick auf neue Märkte und Geschäftsfelder. Wenn wir unsere Chancen klug nutzen, halte ich sogar eine Verdoppelung unseres Geschäfts in den kommenden Jahren für möglich. Aber natürlich nicht von selbst – dafür braucht es Mut, klare Strategien und den Willen zur Weiterentwicklung.
Das „nächste große Ding“ bei Berndorf Bäderbau wird nicht nur ein Produkt oder ein Projekt sein – es wird der nächste Schritt in unserer Weiterentwicklung als Unternehmen sein: digitaler, internationaler, serviceorientierter – und trotzdem fest verankert in unseren Werten.
Was uns dabei stark machen wird, sind ganz klar unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit Leidenschaft, Weitblick und Innovationskraft sind sie der Motor unseres Erfolgs. Aber ebenso wichtig ist, dass wir nicht vergessen, wofür Berndorf steht: Verlässlichkeit, Qualität und Vertrauenswürdigkeit – all das bleibt auch in Zukunft unser Fundament.
Gefeierte Zahlen
Die Geburtstagsbilanz von Berndorf Bäderbau kann sich sehen lassen. In nur fünf Jahren wurde der Umsatz knapp verdoppelt und der Gewinn mehr als verfünffacht.
2019 erzielte die BMBG einen Umsatz von 37,3 Mio. €, während der gesamte Bäderbau inkl. der MOE-Gruppe (Tschechien, Slowakei und Polen) einen Umsatz von 59,8 Mio. € erwirtschaftete. Das Konzernergebnis lag bei rund 0,9 Mio. €.
Bis 2024 stieg der Umsatz im gesamten Bäderbau auf etwa 97,0 Mio. €, das Ergebnis vor Steuern auf rund 5,5 Mio. €. Neben leichten Zuwächsen in der MOE-Gruppe resultierte der Hauptanteil der Expansion aus den BMBG-Kernmärkten sowie aus dem Generalunternehmer-Geschäft.